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001 – Schulreife und Schulfähigkeit!

Schulreife und Schulfähigkeit

Wenn die Familie mit der Einschulung ihres Kindes konfrontiert wird, gibt es in Deutschland keine einheitlichen Regelungen, sondern es hängt zunächst davon ab, in welchem Bundesland man lebt. Die Schulpflicht ist abhängig von einem gewissen Stichtag der variiert bzw. auch vom Entwicklungsstand des Kindes.

Die Stichtagregelung lautet:

Wenn das Kind vor dem Stichtag seinen 6. Geburtstag feiert ist es schulpflichtig und damit ein Muss-Kind. Alle die nach dem Stichtag sechs Jahre alt werden sind Kann-Kinder.
Dabei spielt es keine Rolle ob das Kind schon lesen kann oder alle Länder von Deutschland kennt, sondern darum ob es kontaktfreudig ist, mal verlieren kann oder sich auch auf andere Dinge konzentrieren kann die nicht so in seinem Interessengebiet liegen. Die seelische Seite des Kindes ist dabei auch wichtig.
Meiner Meinung nach sollte es bei der Einschulung nicht um den Leitsatz gehen „Je früher desto besser“ sondern „Lieber später als früher“.
Studienergebnisse bestätigen das Kann-Kinder oft Konzentrationsprobleme, seelische und soziale Schwierigkeiten haben sowie auch später seltener aufs Gymnasium wechseln. PISA Studien und ihre Ergebnisse beweisen das. Allerdings bestätigte eine weitere deutsch-englische Studie einen deutlichen Wissensvorsprung bei Achtjährigen Kindern die früher eingeschult wurden.

Also was tun?!
Man darf die Nachteile einer frühen Einschulung nicht unterschätzen sowie auch genau prüfen wie es um die emotionale und soziale Entwicklung steht. Dabei sollte man unbedingt fachmännische Hilfe in Anspruch nehmen.
Noch im letzten Jahrhundert sprach man von „Schulreife“ weil man der Überzeugung war, dass man nur biologische Vorgänge abwarten müsse und dann ist das Kind schulreif. Allerdings zeigte sich, dass Umwelteinflüsse (Lernen in der Familie, in der Gruppe, Kindergarten) wichtiger sind als die biologischen Vorgänge. Inzwischen wird der Begriff Schulreife nicht mehr benutzt. Man spricht nun hauptsächlich von „Schulfähigkeit“.
Schulfähigkeit beinhaltet bestimmte Verhaltensmuster und Eigenschaften eines Kindes, die es braucht um die Schule erfolgreich zu bestehen. Weiterhin ist es wichtig auch die weiteren Rahmenbedingungen zu beachten und so auf eine ganzheitliche Betrachtung der Schulfähigkeit hinzuweisen.

Doch ist das immer so eindeutig?
Es gibt Basisbereiche die vier Kompetenzentwicklungen zugeordnet werden:

  1. Emotionaler Basisbereich zur Schulfähigkeit

Dabei geht es um die Belastbarkeit, die Zuversicht und die eigene Motivation des Kindes.

  1. Sozialer Basisbereich zur Schulfähigkeit

Dabei geht es um Regeln, die eine Kommunikation in einer Gruppe möglich werden lassen sowie auch um ein annehmbares Konfliktlöseverhalten innerhalb einer Gruppe.

  1. Motorischer Basisbereich zur Schulfähigkeit

Dabei geht es um die Finger-und Handgeschicklichkeit und um dadurch Schreibbewegungen ausführen zu können. Die Gleichgewichts-taktile- und kinästhetische Wahrnehmung sollte vorhanden sein. Dadurch entwickelt sich eine Konzentration auf die Außenwahrnehmung.

  1. Kognitiver Basisbereich zur Schulfähigkeit

Dabei geht es darum die Konzentration, die Ausdauer und die Aufmerksamkeit zielgerichtet auszurichten. Dadurch verfügt man über ein auditives Kurzzeitgedächtnis, eine auditive Merkfähigkeit und ein visuelles Gedächtnis. Das ist die Basis um das Lerninteresse, die Neugierde und die Selbstmotivation aufrecht zu halten.

Bei allen vier Bereichen geht es nicht darum, dass alles vollständig da sein muss um schulfähig zu sein. Erst wenn mehrere Merkmale überhaupt nicht ausgeprägt sind ist voraussagbar, dass Kinder sowohl schon in der 1. Klasse sowie auch in ihrer weiteren Schulzeit Lernschwierigkeiten haben.

Also „Schulfähigkeit“ ist damit ein Ergebnis einer stabilen Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes.

Doch gibt es Jahr um Jahr eine steigende Tendenz von sehr intelligenten Schulversagern. Es gibt keine Garantie, dass Kinder mit hoher Intelligenz schon automatisch gut in der Schule sind. „Vieles zu wissen heißt nicht automatisch viel zu können“. Bei intelligenten Kindern ist sehr oft der soziale und der emotionale Basisbereich defiziär.

Literatur:

Dr. A. Krenz
Ist mein Kind schulfähig?
München 2006

Witzlack
Zur Diagnostik und Entwicklung der Schulfähigkeit
Berlin 1986

Weitere Fragen dazu kannst du in einem kostenlosen Beratungsgespräch in meiner Praxis klären, oder du kannst mir eine E-Mail mit deiner Frage schicken. arldt@insel-welt.de

Zum Thema gibt es auch laufend Seminare oder Infoabende in meiner Praxis in
76275 Ettlingen, Seminarstr. 14.

 

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Gerda Arldt

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